Der kranke Hund

Der kranke Hund

Eigentlich wollte ich in den nächsten Stunden eine neue Wanderung hochladen. Dieses Mal aus dem schönen Oberengadin. Die Reise haben wir auch angetreten und sind gut in Surlej angekommen. Gleich nach der Ankunft den Hund aus dem Auto geholt und unter schönem Sternenhimmel die frische Nachtluft für einen ausgiebigen Spaziergang genutzt. Im Hotel angekommen zeigt sich zum Entsetzen aller aber ein neues Bild: Der kranke Hund.

Einmal ist keinmal.

Die erste Runde Gepäck ist im Zimmer. Der Vierbeiner ebenso. Ich bleibe mit Joya erstmal da, während Jasmin die weiteren Gepäckstücke holt. Ich fotografiere kurz das Zimmer. Vielleicht mache ich ja eine Rezension des Hotels oder so. Man weiss ja nie. Joya sieht sich um. Vielleicht hätte ich da schon was ahnen können. Im Nachhinein habe ich das Gefühl, dass sie zögerlicher ist, als sonst. Muss ja aber auch nichts heissen. Vielleicht gefällt es ihr hier ja auch nur nicht ganz so gut wie das letze Mal, wo wir „fremd“ gewohnt haben.

Sie legt sich artig hin und beobachtet mich beim fotografieren. Jasmin kommt sogleich zurück und ruft entsetzt, was denn passiert sei. Joya zeigt Meideverhalten. Ich kann ehrlich sagen, dass nichts passiert ist. Vielleicht geht es ihr ja schlecht? Noch bevor wir die Option durchgesprochen haben übergibt sich der kleine Schatz. Entsetzen macht sich breit. Der Teppich erst mal etwas ruiniert. Wir putzen was das Zeugs hält. Und kaum sind wir fertig, dasselbe Spiel an einem neuen Ort im Zimmer. Erneutes Entsetzen. Diesmal allerdings, weil das sehr selten vorkommt, dass sich Joya mehr als einmal übergibt.

Und damit wir Zweibeiner ja nicht umsonst Sorgen machen, geht das noch ca. 8 Mal so. Klare Sache, dass das Handy angeworfen wird, der diensthabende Notfall-Tierarzt verständigt wird und wir uns direkt ins Auto setzen und ins nahe Samedan düsen mit dem armen Schatz.

Oh doctor, oh doctor.

Der Tierarzt, den wir notabene aus dem Schlaf gerissen haben, untersucht die kleine Maus, gibt ihr etwas gegen die Übelkeit, spritzt subkutan 500ml Flüssigkeit gegen Dehydration und entlässt uns mit Spekulationen, einem Sack Hills Diätfutter (Uargh) und einer Rechnung, die sich gewaschen hat. Ach ja, und mit einem Termin für den Tag darauf.

Immerhin, Joya übergibt sich nicht mehr. Ruhe finden wir aber alle nicht. Wir sind ca. 2:30 zurück im Hotel, aber wir Zweibeiner liegen mit kleinen Unterbrüchen bis um 5 wach, weil sich Joya alle paar Minuten neu hinlegt , stöhnt, seufzt und hin und wieder regelrecht jammert. Wir machen uns heillose Sorgen, dass es vielleicht schlimmer ist, als angenommen.

Glück im Unglück.

Irgendwann können wir aber alle drei mal etwas schlafen. Wandern ist aber passé. Der kranke Hund soll nicht strapaziert werden. Und mal ehrlich: Nach dieser kurzen und harten Nacht können auch wir Zweibeiner ohne federlesen getrost auf Aktivitäten ausserhalb des Nötigen gut verzichten. Nach dem Aufstehen kommt etwas mehr Leben in den Hund. Trotz dass sie immer noch klar angeschlagen ist, kann man jetzt schon wieder etwas lockerer trippeln. Aber nach dem Geschäft schnurstracks zurück ins Zimmer und gleich wieder pennen.

Ab zum zweiten Tierarzt-Termin. Neuer Arzt, gleiches Szenario. Diesmal gibt es aber auch noch Antibiotika dazu und etwas gegen Durchfall, der seine hässliche Fratze heute morgen auch noch zeigen musste. Joya dackelt aber wie mit neuen Lebensgeistern eingeimpft mit ihrem Wasser-Kamelbuckel sehr viel munterer aus der Praxis als wie wir hergekommen sind. Ob das an den Medikamenten oder dem Akt des Weggehens aus der Praxis liegt, das bleibt unbeantwortet.

Ruhe verordnet. Und dankbar angenommen.

St. Moritz-Bad

Wir sollen den Hund weiterhin schonen. Muss man uns eigentlich nicht sagen. Wie besorgte Eltern könnten wir ihr eh nichts zumuten, wenn es ihr schlecht geht. Aber immerhin müssen wir ja trotzdem mal raus. Als gehen wir bei St. Moritz ein paar Meter am See entlang. Das Wetter ist eh nicht besonders einladend und Joya zeigt auch schon bald, dass sie genug hat. Also gehen wir mit einem kurzen Abstecher in den Supermarkt danach auch gleich zurück ins Hotel. Hund legt sich hin und schläft alsbald. Wir sind auch gerädert, bleiben aber wach. Abends noch in die Pizzeria mit unserer guten Freundin Birgit. Wir finden es sehr schade, dass wir nicht mehr Zeit miteinander verbringen konnten. Immerhin sind wir ja eigentlich dafür hier hoch gefahren. Wir haben uns alle so auf etwas gemeinsame Zeit gefreut. Aber nun gut, lässt sich jetzt nicht ändern.

Der kranke Hund, obwohl bereits sichtlich besser, legt sich nach dem Abendessen im Zimmer sofort hin und ist sofort im Tiefschlaf. Arme, kleine liebe Maus. Morgen ein drittes Mal zum Tierarzt. Mal sehen, wie es ihr dann geht. Aber alles sieht gut aus.

In der Eltern-Matrix.

Ich sehe heute ein, wie sich Eltern wohl so fühlen müssen, wenn ihr Kind krank ist. Besonders, wenn so schlechte, durchwachte Nächte dazu gehören. Daher an dieser Stelle: Meinen Respekt an alle Mammis und Papis. Ihr leistet ganze Arbeit. Ein Dankeschön besonders an alle Mütter, die solches und ähnliches jahr-ein und jahr-aus leisten.

Der kranke Hund, ein Fazit.

  • Also mal ehrlich: Die Sorgen, die wir uns um unseren Liebling gemacht haben, sind deren, die sich Eltern eines Homo sapiens babies machen, exakt gleich. Wir haben mit unserem Baby gelitten und die schlimmsten Szenarien im Kopf vorgestellt.

  • Wir haben seit Stunden nur eines im Kopf: Hoffentlich geht es ihr bald gut. Alles andere ist scheissegal.

  • Wir sind froh hat Jasmin eine Privathaftpflicht, die den Hund berücksichtigt. Der kranke Hund hat etwas Spuren hinterlassen. Nicht schlimm, aber doch sichtbar.

  • Die Haustierversicherung wau-miau, die Jasmin hat, ist ihr Geld wert. Und nicht das erste Mal. Weil die Arztkosten für diese 2 Besuche bereits jetzt schon recht steil sind und wir ja höflich eingeladen wurden, morgen wieder zu kommen.

  • Dankeschön den Tierärzten, die gute Arbeit geleistet haben. Besonders dem diensthabenden Notfall-TA, der um 2 in der Nacht nochmal aufstehen musste für uns.

Totmüde, aber sehr viel ruhiger und zufriedener wünschen wir euch allen, dass euch das nicht passiert und dass ihr ebenso viel Glück im Unglück habt, sollte es doch einmal passieren.

Der Wolf hat genug geheult für heute.
Úlfhéðinn aus.

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